Kombigitter und die Einordnung der geotextilen Robustheitsklasse (GRK)

Die oft gestellte Frage lautet: Welche Dimensionierung des Schutzvliesstoffes im Bereich des Straßenbaus benötige ich, wenn ich gleichzeitig ein Geogitter zur Stabilisierung verwende?

Die klassische Dimensionierung des Straßenbauvliesstoffes richtet sich nach dem Beanspruchungsfall (AB) und dem Anwendungsfall (AS). Hiermit können Sie ermitteln welche geotextile Robustheitsklasse (GRK) in Ihrem Projekt nötig ist. So müssen Sie im Beanspruchungsfall sowohl festlegen ob der Vliesstoff direkt mit einem schweren, oder leichten Baugerät befahren wird als auch die ungefähre Tragfähigkeit des Baugrunds kennen um die erwartete Spurrinnentiefe einzuschätzen. Weiterhin wird das Geotextil nach dem Schüttgut in dem Anwendungsfall dimensioniert. So muss natürlich das Geotextil bei der Schüttung mit grobem Block- und Felsmaterial stärker ausgewählt werden, als bei der Verwendung eines gemischtkörnigen Bodens. Über diese zwei Parameter erhalten Sie die zu Ihrem Bauobjekt die richtige Optimierung und wählen hiermit die geotextile Robustheitsklasse (GRK) aus.

Was hat dies mit Geogitter zu tun? Relativ einfach. Die häufige Verwendung eines Kombigitter, d. h., ein Geogitter mit einem Vliesstoff muss auch sinnvoll dimensioniert werden.

"Klar", wird man denken. „Ich dimensioniere das Vlies nach dem obigen Verfahren und verwende die konstruktive Zugfestigkeit des Geogitters um die Gebrauchstauglichkeit zu erreichen“. Fast richtig. Die Sache hat aber einen Haken! Wenn Sie optimal Ihre Geokunststoffe, sprich Ihr Kombigitter einsetzen wollen, dann verschenken Sie mit dieser Methode die Effizienz und damit Ihr Einsparpotenzial. Der Grund ist, dass die Vliesstoffe und deren Beanspruchung wesentlich durch die direkte Befahrung bemessen werden, eben durch den Beanspruchungsfall. Verwenden Sie nun eine Geogitter-Vliesstoff-Kombination, so gilt, dass das Geogitter nicht direkt befahren werden darf, und das Schüttmaterial vor Kopf eingesetzt werden muss. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu der Belastung des reinen Vlieses! Die tatsächliche Beanspruchungsklasse des Vlieses sinkt rapide durch das "Vorkopf-Schütten", sodass Sie dieses in dem Bauverfahren komplett auf den Beanspruchungsfall AB 1 heruntersetzen können.

Nehmen wir ein Beispiel bei der Herstellung eines schlecht tragfähigen Baugrundes, bei welchem Sie eine durch den Bauverkehr zu erwartende Spurrinnentiefe > 15-30 cm bei direkter Befahrung erwarten. Er plottet in den Beanspruchungsfall AB4.  Dies möchten Sie mit einem Geogitter bewehren. Sie bemessen das Vlies aufgrund des Baugrundes bei der Verwendung von gemischtkörnigem Boden mit dem Anwendungsfall Schüttgut auf AS3 und erhalten hiermit bei AB4 zu AS3 als Ergebnis die geotextile Robustheitsklasse GRK5.

Dies entspricht aber nicht dem tatsächlichen Beanspruchungen und ist falsch bemessen! Dadurch, dass Sie ein Schüttgut mit min. 20 cm Mächtigkeit im „Vorkopf-Einbau“ aufbringen und ein Geogitter verwenden, werden sich keine Spurrinnen in dieser Größenordnung einstellen. Richtig ist hier, dass Sie keine direkte Beanspruchung haben und damit den Anwendungsfall AB1. Mit dem ermitteltem AS3 ergibt dies ein Vlies der geotextilen Robustheitsklasse GRK 3. Die Kostenreduktion?

Bei 10.000 m2 Losgröße * 0,50 € Kostendifferenz zwischen GRK3 und GRK5 gelangt man zu 5000 € Einsparung.

Weiterhin stellt sich ganz klar die Frage ob die geotextile Robustheitsklasse in dieser Art und Weise das richtige Klassifikationsschema zur Einordnung eines Kombigitters darstellt. Die Fragestellung lautet: Wie viel Einfluss verursacht das Geogitter auf das Vlies in dieser Verbundwirkung? Ursache ist das durch breite Stäbe fixierte und partiell abgedeckte Geotextil, dessen Wirkungsweise im Verbund bodentechnisch nur teilweise vergleichbar ist mit dem klassischen Einzelprodukt Geotextil. Automatisch plottet das Geokomposit aufgrund des „Geogitteranteils“ in Gesamtfestigkeiten oberhalb von GRK5 Klassen.

Die GRK3 Klasse zeigt im geeigneten Geogitterverbund erdbautechnisch für fast alle Baumaßnahmen absolute Gebrauchstauglichkeit. Es stellt sich eher die Frage, ab welchem Grad das Schüttmaterial für das Geogitter kritisch wird, wobei hier der Abminderungsfaktor A2 für Beschädigung Auskunft gibt. Sollten Sie sich unsicher sein, legen Sie entsprechend bei Baubeginn ein kleines Testfeld an und begutachten Sie das Resultat optisch. Oftmals sind die GRK-Klassen im Geogitterverbund überdimensioniert!