Stützkonstruktionen - die unterschiedlichen Systeme

Wie sehen Stützkonstruktionen aus? Vielfältig! Grundprinzip der Stützkonstruktionen ist allerdings der durch Geogitter bewehrte Erdkörper, sodass man im Fachjargon auch von einer Kunststoff-Bewehrten Erde, abgekürzt von einer KBE spricht. Eine KBE besteht sozusagen aus einem bewehrten Geogitter-Erdkörper, einem klassischem Hinterfüllbereich, welcher kein Geogitter enthält und einer Frontausbildung, auch Facing- oder Außenhautsystem genannt.

Die Höhe dieser Konstruktionen ist stark variabel und reicht von wenigen Metern Bauwerkshöhe bis zu mehreren 10er Metern Höhe. Meist ist die Frontausbildung in einem Winkel von 60°-85° Neigung ausgebildet. Der Formenreichtum der KBE ergibt sich über die Gestaltung des Frontsystems. Hier können klassische Methoden wie ein einfacher Geokunststoffumschlag, Stahlgitterelemente, Block- oder Formsteine, Gabioneelemente oder Betonpaneele zum Einsatz gelangen. KBE ergänzen oder ersetzen die klassisch bekannten Stützmauern wie Winkelstütz- oder Schwergewichtmauern, Gabionen- oder Raumgitterwände, Mauerscheiben oder Trockenmauern.

Insgesamt gibt es verschiedene KBE auf dem Markt, welche sich durch ihre Hauptkriterien wie Böschungsneigung und Frontelemente unterscheiden. Nachfolgend sind einige gängige System erläutert die sich gut abgrenzen lassen.

1)    Die einfachste Form einer KBE ist bei einem Neigungswinkel um ca. 50° gegeben. Hier ist im Böschungsbau oft keine einfache Standsicherheit durch den Boden gegeben und das System lässt sich ohne Geogitter statisch nicht nachweisen. In der Praxis werden so in einen Erddamm ca. alle 60 cm Geogitter horizontal eingelegt. Dabei wird der Damm in klassischer Methode überbaut und wiederum an den Flanken abgezogen. Die Geogitter-Bewehrung im Damm garantiert die Standsicherheit, ein Erosionsschutzelement wie z. B. eine Kokosfasermatte oder ein dreidimensionales Wirrgelege sichert die Dammoberfläche.

2)    Erste KBE Systeme im Winkel von ca. 65° erfolgten in der sogenannten Umschlagmethode. Hierbei werden 60 cm Bodenlagen in ein Geogitter gehüllt, die dann stapelweise übereinander aufgebaut werden. Diese Methode ist die älteste Bauweise, wobei jedoch für die Ausbildung der Front eine sogenannte Hilfsschalung nötig ist. Sie besteht aus einem Schalelement analog zum Hochbau und ermöglicht die Verdichtung des Bodenmaterials im späteren Frontbereich der KBE. Nach Verdichtungs- und Aufbauprozess wird diese vor dem Bauwerk wieder entfernt. Da man oftmals nicht das komplette Bauwerk verschalen kann, wird hier ebenfalls analog zum Hochbau abschnittsweise gearbeitet. Um einen effektiven Erosionsschutz im Frontbereich zu erhalten, erfolgt die Einlage eines Geotextils als Trenn- und Filterelement im Frontbereich. Da Geokunststoffe bis auf wenige Ausnahmen generell gegen langfristiges Freiliegen geschützt werden müssen, erfolgt hier oft eine Abdeckung mit einem Oberboden, der durch ein beständiges dreidimensionales Wirrgelege gesichert wird. Dieses Wirrgelege verhindert Erosion, da es mechanisch die Bodenpartikel zurückhält und den Wurzeln eine Verankerungsbasis ermöglicht. Diese System sind meist vollständig begrünt und erscheinen architektonisch als bewachsene Stützkonstruktionen.

3)    Eine erste Weiterentwicklung der Systeme erfolgte mit der Verwendung von sogenannten verlorenen Hilfsschalungen. Hierbei ersetzt man die bei der Umschlagmethode verwendeten Hilfsschalungen durch L-förmige Stahlgitterelemente, die als Frontsystem in der KBE dauerhaft verbleiben. Größter Vorteil bei diesem System ist der hier stark reduzierte Arbeitsaufwand sowie der mögliche Aufbau innerhalb der Grundfläche der KBE. Im Arbeitsprozess werden zuerst die Stahlgitterelemente auf der Geogitterlage als Frontbereich aufgestellt, dann erfolgt der Erdbau in einer Mächtigkeit von ca. 60 cm, bis wiederum die nächste Lage Geogitter, Stahlelement und Erdbaulage erfolgt. So kann diese KBE-Bauweise effizient in die Höhe wachsen. Die Systeme weisen hier in der Regel eine Neigung von 60° bis 80° auf, die Frontelemente sind ebenfalls wie in der Umschlagmethode mit einem Geotextil als Trenn- und Filtervlies oder einer dreidimensionalen Erosionsschutzmatte ausgestattet. Ebenfalls erhalten diese System durch Anspritzbegrünung oder dem manuellen Setzen von Bewuchs eine grüne Ansichtsfläche.

4)    Analog mit der Verfeinerung der KBE-Technik erfolgte der Wunsch nach optisch anspruchsvolleren Frontsystemen, welche der Gabionen- oder Maueroptik und deren Vorzügen entsprachen. So erfolgt z. B. das Setzen von Gabionen- oder Blocksteinen als Frontelement anstelle der Stahlgitterelemente. Die Variationen der Frontfläche sind extrem mannigfaltig und lassen sich von den konventionellen Systemen optisch nicht mehr unterscheiden, sie bringen aber aufgrund der Materialersparnis und der Ökonomisierung der Statik enorme Kostenvorteile.


Das Prinzip der KBE beruht immer auf dem Grundsatz der Bewehrung der Erde und ermöglicht so das Design der unterschiedlichsten infrastrukturellen Formen. Die Varianz und Wirtschaftlichkeit macht diese, neben der oftmals besseren Energiebilanz, zu einer gefragten Bauweise. Viele Sonderbauweisen und funktionelle Lösungen sin hiermit möglich. Vom Erddruckfänger bis zum Testhügel für Traktoren reichen Projektausführungen und zeigen eindrucksvoll die Gestaltungsmöglichkeiten.