Geogitter und die Richtline für die Bautechnik in Wasserschutzgebieten

Was haben Geogitter mit den Richtlinien für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wasserschutzgebieten (RiStWag) zu tun? Die Antwort lautet: Geogitter kommen zum Einsatz aufgrund böschungsparallelem Gleiten zwischen Abdichtungselement und Abdeckboden.

Sehen wir uns den Regelaufbau der RiStWag Richtlinie an, so sind folgende mögliche Systemabdichtungen definiert:

1) Für Abdichtungen mit Kunststoffdichtungsbahnen (KDB) im geneigten Böschungsbereich:
ca. 20 cm Oberboden
ca. 60 cm Füll-/Abdeckboden
optional nach Statik: Bewehrungselement Geogitter
400 g Schutzvlies
2 mm Kunststoffdichtungsbahn (KDB)
400 g Schutzvlies alternativ Stützschicht (0-4 mm Splitt)
Erdplanum


2) Für Abdichtungen mit geosynthetischen Tondichtungsbahnen/Bentonitmatten (GTD) im geneigten Böschungsbereich:
ca. 20 cm Oberboden
ca. 60 cm Füll-/Abdeckboden
optional nach Statik: Bewehrungselement Geogitter
Tondichtungsbahn/Bentonitmatte (GTD)
Erdplanum


Bei einem 1:1,5 geneigtem Damm im Böschungsbereich des Fahrbahnrandes wird anhand des Regelaufbaues klar, dass es aufgrund der böschungsparallelen Schichten kritisch für die Gleitsicherheit der Bodenschichten oberhalb der Abdichtungselemente werden kann. Ob hier nun ein Bewehrungselement in Form eines Geogitters nötig ist, ergibt sich aus der Statik. Da das Abdichtungselement nur circa 1 m über die Fahrbahnoberkante gezogen werden muss, werden meist erfahrungsgemäß Geogitter mit nur geringen Kurzzeitzugkräften von 20 – 60 kN/m nötig.

Kapitel 7.1.3 und Kapitel 7.3.2.3 der RiStWag Richtlinie fordert diesen Nachweis gegen Abgleiten, die Berechnung erfolgt nach den EBGEO (siehe hierzu Böschungen und Standsicherheit).

Doch Achtung! In Anhang 1 der Systemschnitte der RiStWag sind die nötigen Standardaufbauten wiedergegeben ohne die evtl. notwendige Verwendung eines Bewehrungselementes. Bei der Zeichnungsübernahme kommt es hier oft zu dem Fehler dieses Bewehrungselement trotz vorliegender Statik nicht  mit aufzunehmen. Auch stellt sich hier in der Baupraxis die Frage der Lage des Verankerungsgrabens, denn oft ist die Böschungslänge größer als die abzudichtende Fläche. Hier können Kräfte auch über Reibungsverbund des Geogitters in einen horizontalen Bodenverbund laufen, sodass erdbautechnisch ein praktischer Böschungsaufbau noch möglich ist.